Das Einsetzen 

Das Einsetzen des Brenngutes in den Ofen ist grundsätzlich ganz einfach. Flache Teile nach unten, hohe Teile nach oben. Man beginnt damit, auf den Ofenboden die ersten drei Rundstützen zu setzen, die die erste Ofenplatte tragen werden. Danach setzen Sie Ihr Brenngut drumherum. Stellt sich jetzt heraus, daß die Stützen zu kurz waren, tauschen Sie sie gegen höhere. Wenn Sie den Handballen auf eine der Stützen legen, haben Sie ein gutes Gefühl, ob die höher sind als das Brennngut. Seien Sie im Zweifel großzügig. Lieber eine zu hohe Stütze, als das die Ofenplatte auf dem Brenngut liegt. Achten Sie unbedingt darauf, daß die flachen Sachen nach unten kommen. Sonst wird es sehr schnell schaukelig. Legen Sie nie eine Ofenplatte direkt auf den Boden. Der Boden verformt sich beim Brennen und die Platte liegt auf einem Kugelabschnitt. Je nach belastung bricht dann der Boden oder die Platte. Drei kleine Bisquitfliesen reichen, um Abstand zwischen Platte zum Ofenboden zu schaffen.


© gac-Keramikbrennöfen 2007

Brandführungen 

Brandführung ist die Art und Weise wie die Wärmebehandlung des Brennguts abläuft. Ton wird normalerweise langsam angefahren, dann mit Vollast auf die Zieltemperatur und ev. noch eine Haltezeit. Eine typische Brennkurve läuft so ab, daß man nach dem Start sofort mit dem Brennen beginnt, dann mit 120°C pro Stunde auf 585°C fährt. Eine Haltezeit an dieser Stelle macht keinen Sinn. Jetzt fährt man mit Vollast auf die Endtemperatur zu, die 1060°C beträgt. Hier erfordern einige Glasuren Haltezeit. Die liegt in der Größenordnung von 15 Minuten. Damit ist der Brand zu Ende und der Ofen kühlt ab. Die Parametertrippel Aufheizgeschwindigkeit, Temperatur und Haltezeit werden Segmente genannt. Zum Töpfern brauchen Sie nicht mehr als zwei Segmente. Die Glasfusingleute kommen damit nicht aus. Sie fahren durch bis zu zehn Segmente.



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Wie lange dauert ein Brand? 

Von kalt zu kalt 24 Stunden. Das kann in Abhängigkeit von Ofen und Besatz durchaus um einige Stunden schwanken. Die Dauer des Brands selbst hängt von der Brandführung ab. Wenn Sie mit 120°C pro Stunde auf 585°C losgehen, nimmt dieses Segment schon fast fünf Stunden in Anspruch. Die anschließende Vollastphase dauert dann noch zwei Stunden. Planen Sie für den Brand an sich sechs bis acht Stunden ein. Die Restzeit kühlt der Ofen ab. Diese Werte gelten für unsere Öfen. So richtig gute Energiefresser wie schlecht isolierte Brennöfen mit dünnen Ofenwänden oder die alten Kammeröfen , die Sie aus der Schule kennen, brauchen entweder sehr viel länger in der Vollastphase zum Aufheizen, oder im anderen Extrem haben Sie in die riesige Masse so viel Energie hineingesteckt, daß der Ofen zwei Tage zum Abkühlen braucht. Lange Abkühlzeiten sind also nicht unbedingt ein Zeichen für gute Isolierung.



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Brennhilfsmittel 

Wenn Sie nur ganz hohe oder ganz breite Sachen brennen, brauchen Sie keine Brennhilfen. Sobald das Brenngut deutlich kleiner wird als die Brennkammer, müssen wir mit Ofenplatten "Etagen" schaffen. Sie können diese Ofenplatten auch teilen und haben dann auf der einen Seite Raum für hohe Teile und können auf der anderen flaches Brenngut in größeren Mengen stapeln. Das Teilen der Ofenplatte geschieht mit Hilfe einer Flex und einer Steinscheibe. Versuchen Sie es nicht mit Diamantscheiben oder einer Stahlscheibe. Die Ofenplatten sind ein sicheres Mittel, diese Trennscheiben zu zerstören. Die Stahlscheibe sprüht wie eine Wunderkerze und die Diamantscheibe macht einige schwarze Kratzer auf die Cordieritplatte. Die Steinscheibe hat kein großes Problem mit dem Material. Versuchen Sie nicht, die Rundstützen zu bearbeiten. Das wird gefährlich und die einzige Wirkung wird in Ihrem Portemonaie eintreten. Wenn Sie glasieren, muß die Glasur am Brenngut von der Ofenplatte frei kommen. Wenn Ihnen das durch Wegwischen mit einem feuchten Schwamm nicht gelingt, bietet der Töpfereihandel verschiedene Dreifüße. Kaufen Sie nicht aus falschem Geiz die Schamottefüsse oder dünne Metallfüsse aus Draht. Über die Dinger ärgern Sie sich und kaufen später die guten. Es gibt Metallfüße, die aus einem dicken Metallband gestanzt sind.


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Und wie brennt man denn nun? 

Dieses ist die am meisten gestellte Frage. Gleichzeitig ist das eine der Fragen, die ich eigentlich nicht beantworten kann. Ein Vergleich sei erlaubt: Sie kaufen sich ein Auto und fragen dann den Hersteller, wie man damit fährt. Daß der Ihnen die Frage nicht beantworten kann, ist klar. An anderen Stellen wie z.B. Brandführung habe ich schon sehr viele Hinweise gegeben wie man brennt. Der Regler hat die meisten Brandführungen abgespeichert. Wie Sie nun in Ihrer individuellen Situation brennen müssen oder wollen, hängt wesentlich von dem Material ab, daß Sie benutzen und welches Ziel Sie anstreben. Die Grenzen, die der Ton oder die Glasur vorgeben, erfahren Sie im Fachhandel. Diese Grenzen sollten Sie auch sehr ernst nehmen. Wenn Sie den Ton überfeuern, z. B. durch zu lange Haltezeiten, verformt der sich, wird schlimmstenfalls flüssig und läuft wie Lava durch den Ofen. Überhitzte Glasuren laufen wie Wasser vom Scherben ab. Die allermeisten Leute brennen bei 1060°C. Schrüh- und Glasurbrand auf derselben Temperatur. Früher hat man bei 950°C geschrüht. Dazu fahren Sie den Ofen auf 120°C/h an. Das ist bei uns als Programm 1 gespeichert. Allso ein sehr betriebssicheres Universalprogramm. Wenn Sie Ihre Gefäße fester brennen wollen oder Gatenkeramik herstellen, fahren Sie auf 1100°C bis 1130°C. Das reicht meistens. Dann sind die Gefäße schon einigermaßen dicht und klingen auch schon ganz anders. Aber Vorsicht: es gibt Massen, die in diesem Temperaturbereich schon an der Grenze sind! Wollen Sie noch höher brennen, denken Sie daran, daß sie keinen Gasofen haben. Die Technologie bezahlbarer Elektroöfen läßt nicht viel mehr als 1200°C zu. Tasten Sie sich an höhere Temperaturen sehr vorsichtig heran, weil die langsame Aufheizgeschwindigkeit in diesem Bereich wie eine extreme Haltezeit wirkt. Wenn der Brennofen laut Typenschild oder Prospekt 1260°oder 1320°C macht, sind das zunächst Zahlen, die den Brennofen betreffen und von denen Sie nicht wissen, unter welchen Bedingen die entstanden sind. Daß Sie Ihr Brenngut damit behandeln sollen oder dürfen, sagt das nicht aus! Fragen Sie in Ihrer Tonquelle, wie die das Material brennen, das sie Ihnen verkaufen oder fragen Sie jemanden, von dem Sie wissen, daß der tatsächlich dasselbe Material brennt und Ihnen auch die Wahrheit erzählt. Der Ofenhersteller kennt Ihre individuelle Situation nicht und ist aus haftungsrechtlichen Gründen gezwungen, sich mit konkreten Aussagen zurückzuhalten. Denken Sie da wieder an den Autohersteller, den Sie fragen, wie schnell Sie fahren dürfen. Wenn der klug ist, antwortet er mit der Gegenfrage: in welcher Kurve, bei welchen Wetterverhältnissen?


© gac-Keramikbrennöfen 2007